Welche Stoffe stecken eigentlich in einem Produkt mit mehreren Tausend Bauteilen?
Um diese Frage zuverlässig zu beantworten, müssen Informationen aus Produktblättern, technischen Dokumentationen und Lieferantenunterlagen zusammengeführt und den richtigen Komponenten zugeordnet werden. Häufig sind die benötigten Angaben bereits vorhanden, allerdings über zahlreiche Dokumente und Systeme verteilt.
Bei großen Produktstrukturen wird deshalb vor allem die Zuordnung zur Herausforderung: Welche Information gehört zu welchem Bauteil, welche Materialien sind betroffen und welche Angaben müssen für die weitere Bewertung berücksichtigt werden?
Produktdaten für die Schadstoffbewertung nutzbar machen
Die manuelle Sichtung und Zuordnung dieser Informationen kann bei umfangreichen Produktstrukturen viel Zeit beanspruchen. Mithilfe von KI lassen sich relevante Angaben aus bestehenden Dokumenten automatisiert erfassen und strukturiert aufbereiten.
Produktinformationen, Materialien, Stoffangaben und Abhängigkeiten können dabei miteinander verknüpft und in einem digitalen Produktmodell abgebildet werden. Auch fehlende oder widersprüchliche Angaben lassen sich auf diese Weise schneller identifizieren.
Das erleichtert nicht nur die Recherche. Unternehmen erhalten einen besseren Überblick darüber, welche Informationen für einzelne Produkte und Komponenten tatsächlich vorliegen.
RoHS Compliance stellt hohe Anforderungen an Produktinformationen
Ein Einsatzgebiet für eine solche Lösung ist die RoHS Compliance. RoHS steht für Restriction of Hazardous Substances und bezeichnet die EU Richtlinie zur Beschränkung bestimmter gefährlicher Stoffe in Elektro und Elektronikgeräten.
Für betroffene Unternehmen bedeutet das unter anderem, relevante Stoffinformationen auf Produkt und Komponentenebene nachvollziehen zu können. Bei Produkten mit einer großen Zahl an Bauteilen kann allein das Zusammenführen und Zuordnen der vorhandenen Informationen erheblichen manuellen Aufwand verursachen.
Technologie kann diesen Teil des Prozesses unterstützen. Dokumente werden automatisiert ausgewertet, relevante Angaben den jeweiligen Bauteilen zugeordnet und für die anschließende fachliche Bewertung bereitgestellt. Die regulatorische Beurteilung bleibt dabei beim Unternehmen und den zuständigen Fachexperten.
Product Compliance in der Praxis
COCUS hat einen vergleichbaren Ansatz bereits für ein Unternehmen aus der Großindustrie umgesetzt.
Die Ausgangslage: Produktinformationen lagen in Produktblättern, technischen Dokumentationen und weiteren Quellen vor und mussten für die Bewertung von Bauteilen und Materialien zusammengeführt werden.
Dafür wurde eine KI gestützte Lösung entwickelt, die Informationen aus den vorhandenen Dokumenten automatisiert extrahiert, klassifiziert und einem digitalen Produktmodell zuordnet. Auch umfangreiche Produktstrukturen mit bis zu 10.000 Bauteilen und Abhängigkeiten können damit abgebildet werden.
Die automatisierte Verarbeitung reduziert den manuellen Aufwand bei der Informationsgewinnung und Zuordnung. Gleichzeitig stehen Produkt, Material und Stoffinformationen strukturiert für Compliance, Dokumentation und weitere Prozesse im Produktlebenszyklus zur Verfügung.
Product Compliance schrittweise digitalisieren
Für den Einstieg muss nicht das gesamte Produktportfolio betrachtet werden. Ein ausgewähltes Produkt oder eine Baugruppe kann bereits ausreichen, um vorhandene Dokumente und Daten zu analysieren und die technische Umsetzbarkeit zu prüfen.
In einem Proof of Concept lässt sich anschließend erproben, welche Informationen automatisiert ausgelesen und wie zuverlässig sie Produkten, Bauteilen und Materialien zugeordnet werden können. Anwendungsfälle wie die Unterstützung von RoHS Prozessen können dabei gezielt berücksichtigt werden.
Auf dieser Basis kann die Lösung auf weitere Produkte ausgeweitet und bei Bedarf mit bestehenden Lieferantensystemen verbunden werden.
Produktinformationen effizienter für Compliance nutzen
Ob für RoHS oder andere Anforderungen der Product Compliance: Entscheidend ist, relevante Informationen aus vorhandenen Dokumenten zuverlässig verfügbar zu machen und den richtigen Produkten, Bauteilen und Materialien zuzuordnen.
COCUS unterstützt Unternehmen bei der technischen Umsetzung dieses Prozesses. Von der Analyse bestehender Produktinformationen über die automatisierte Extraktion und Zuordnung bis zur Einbindung in vorhandene Lieferantensysteme. So können auch umfangreiche Produktstrukturen effizienter verarbeitet und Informationen für die weitere fachliche Bewertung bereitgestellt werden.


